Bei bestimmten Aktionen wie etwa bei Flugblattverteilungen, beim Verkleben von Plakaten oder bei Nazi-Outings besteht eine erhöhte Gefahr, mit Spießbürgern, Gesetzeshütern oder sonstigen politischen Gegnern aneinander zu geraten. Deshalb sollten bei solchen Aktionen gewisse Vorsichtsmaßnahmen eingehalten werden.


Vorbereitung
Im Vorfeld solltet ihr euch mit allen Leuten, die an der Aktion beteiligt sein werden, zusammensetzen und besprechen. Hierbei muss geklärt werden, wie die Aktion genau ablaufen soll, was alles schief gehen kann und wie ihr mit möglicherweise gefährlichen Situationen umgehen wollt. Es ist sehr wichtig, dass bei diesem Treffen die Ängste und Sorgen der Beteiligten angesprochen und ernstgenommen werden. Damit ihr hinterher von stressigen Situationen nicht überrascht und überfordert seid, sollten bestimmte Fragen vorher verbindlich abgesprochen werden: Unter welchen Umständen muss die Aktion abgebrochen werden? Wollt ihr euch im Notfall auf körperliche Konfrontationen einlassen? Wie geht ihr damit um, wenn einzelne Leute bei der Aktion festgenommen werden? Außerdem solltet ihr auch überlegen, wie ihr bei der Aktion schnell und unauffällig an- und abreisen könnt. Denkt daran, das Vorbereitungstreffen an einem Ort abzuhalten, der auf keinen Fall abgehört wird – zum Beispiel in einer Kneipe oder in einem freien Raum an der Uni.

 

Durchführung
Für die Durchführung von Aktionen gibt es selbstverständlich keine allgemeingültige Anleitung. Je nach Art der Aktion müsst ihr entscheiden, welcher dieser Tipps euch sinnvoll erscheint.

Telefone: Handys sind praktisch, um sich schnell und unkompliziert absprechen zu können. Sie haben jedoch den großen Nachteil, dass sie geortet und unter Umständen sogar abgehört werden können. In jedem Fall ist es möglich, dass Strafverfolgungsbehörden herausfinden, wann sich welches Handy wo befunden hat. Dadurch kann euch nachgewiesen werden, dass ihr euch zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort aufgehalten habt. Deshalb kann es sinnvoll sein, bei bestimmten Aktionen kein Handy bei sich zu haben. Alternativ könnt ihr aber auch mit so genannten „sauberen“ Handys arbeiten. Das sind unregistrierte Handys, in die ihr eine unregistrierte bzw. mit erfundenen Daten registrierte SIM-Karte steckt. Damit das Handy „sauber“ bleibt, dürft ihr damit natürlich nur andere „saubere“ Handys kontaktieren.

Pfefferspray: Der Einsatz von Pfefferspray gegen Menschen ist in Deutschland verboten – außer in Notwehrsituationen. Das Mitführen ist Volljährigen allerdings grundsätzlich erlaubt. Eine Ausnahme stellen öffentliche Versammlungen, also Demos und Kundgebungen, dar. Hier wird das Mitführen von Pfefferspray als Verstoß gegen das Versammlungsgesetz gewertet. Das gilt übrigens auch für die An- und Abreise zu Versammlungen und auch für spontane und unangemeldete Versammlungen! Wenn eure Aktion keine Versammlung ist, spricht allerdings nichts dagegen, zu eurer Sicherheit vor angreifenden Hunden Pfefferspray mitzunehmen.

Handschuhe: Wenn es euch aus irgendwelchen Gründen wichtig erscheint, bei einer Aktion keine Fingerabdrücke zu hinterlassen, benutzt Handschuhe. In Drogerien und vielen Supermärkten gibt es Wegwerfhandschuhe aus Latex oder Gummi im Fünfzigerpack für ein paar Euro.

Kleidung und Auftreten: Bei vielen Aktionen empfiehlt es sich, möglichst unauffällige Kleidung zu tragen. Eine Ansammlung schwarzgekleideter Jugendlicher mit Sonnenbrillen ruft schneller wachsame Nachbarn auf den Plan als eine Gruppe junger Menschen in Hemd und hellen Hosen. Kopfbedeckungen und Sonnenbrillen sollten generell vermieden werden, wenn man nicht auffallen möchte.

Aussageverweigerung: Wenn alles schief läuft und ihr bei einer Aktion von der Polizei mitgenommen werdet, lautet die wichtigste Regel: Aussageverweigerung. Ihr seid verpflichtet, euren Namen, euer Geburtsdatum und den Geburtsort, eure Adresse und eine ungefähre Berufsbezeichnung (Schülerin, Angestellter) anzugeben. Mehr müsst und solltet ihr unter keinen Umständen sagen. Wenn die Polizei euch einreden will, es sei besser für euch, eine Aussage zu machen oder gar ein Geständnis abzulegen, ist das gelogen! Mit einer Aussage gefährdet ihr euch und eure Genossen. Jede Aussage und jedes Geständnis kann auch noch nach einer Besprechung mit einem Anwalt oder mit euren Genossen gemacht werden, wenn ihr wieder auf freiem Fuß seid. Weitere Informationen dazu erhaltet ihr in der Rubrik Repression und Strafverfolgung.

 

Nachbereitung
Aktionen sollten am besten immer nachbereitet werden – vor allem dann, wenn etwas schief gegangen ist. Bei dem Nachbereitungstreffen geht es vor allem darum zu klären, was gut gelaufen ist und was beim nächsten Mal anders oder besser laufen sollte. Auch das Nachbereitungstreffen sollte in einem abhörsicheren Raum abgehalten werden.