Antifaschistische Recherche-Arbeit bildet die Grundlage jedweder Politik, die sich zum Ziel gesetzt hat, über neonazistische und extrem rechte Personen und Strukturen zu informieren und gegen diese vorzugehen. Denn nur wenn euer Wissen über Neonazis, Rechtspopulisten und andere rechte Strömungen auf gut recherchierten Fakten aufbaut, seid ihr dazu in der Lage, strategisch angemessen, zielorientiert und effektiv gegen diese aktiv zu werden. Recherche-Tätigkeiten, die sich auf Vermutungen stützen und ein “gutes Bauchgefühl” zur Grundlage haben, sind meistens wenig zielführend und machen euch nicht zuletzt auch gegenüber den Leuten, denen ihr eure Ergebnisse etwa in Form von Flugblättern oder Presseerklärungen mitteilen wollt, unglaubwürdig. 

Recherche gegen Neonazis und andere (extrem) rechte Akteure dient dazu, den Überblick über die örtliche bzw. regionale Szene zu behalten und Entwicklungen und Gefahren möglichst früh erkennen und analysieren zu können. Konkret geht es dabei um Fragen wie: Wer ist überhaupt bei denen aktiv? Wie organisieren sie sich und wo sind deren Treffpunkte? Welche Pläne verfolgt der politische Gegner aktuell und wo ist sein derzeitiger Arbeitsschwerpunkt? Antifaschistische Recherche hat das Ziel, gesicherte Antworten auf diese und weitere Fragen zu finden, damit sich eure Arbeit letztlich an belegbaren Fakten orientiert. Auf dieser Grundlage könnt ihr konkrete und zukünftige Gefahren besser einschätzen, rechte Gewalttäter identifizieren und angemessene Gegenstrategien entwickeln sowie insgesamt betrachtet, die rechte Szene besser unter Druck setzen und gesellschaftlich stigmatisieren.

Jede Gruppe sollte sich in dem Bereich, in dem sie handelt, besser auskennen als ihr Gegner. Dies schützt euch selbst und andere vor bösen Überraschungen oder Niederlagen. Das gilt auch für antifaschistische Öffentlichkeitsarbeit. Das Ziel ist es, den Widerstand gegen die Aktivitäten der Rechten zu fördern. Öffentlichkeitsarbeit mit Hilfe gut recherchierter Fakten kann Naziprojekte in der Gesellschaft isolieren und Druck auf Politiker und Behörden ausüben, die militante Nazis decken oder sich mit Neuen Rechten verbrüdern.

Die Aufklärung von bisher Verborgenem kann oft den Beweis erbringen, der gebraucht wird, um öffentliche Empörung herzustellen. Daher werden bei der Recherche in erster Linie Fakten gesammelt, die die eigene Position stärken. Das bedeutet aber nicht, dass Fakten so lange verdreht werden bis sie in die eigene Position passen. Durch das Präsentieren gesicherter und nachprüfbarer Fakten entsteht Vertrauen – dagegen entsteht durch das Präsentieren von Lügen und Unwahrheiten Misstrauen. Gefährlich wird es, wenn falsche Zitate die Runde machen. Wenn sich solch ein “Beweis” in Luft auflöst, kann das neben dem politischen Schaden auch rechtliche Folgen haben.

Das Thema und die Zielsetzungen der Recherchen müssen das Ergebnis einer politischen Diskussion sein. Die Erfahrung zeigt, dass Leute, die Recherche betreiben, sich leicht verzetteln, wenn ihre Unternehmungen nicht im Kontext ihrer politischen Arbeit stehen. Ihr solltest deshalb möglichst gemeinsam darüber entscheiden, was ihr mit euer Recherche-Arbeit erreichen wollt bzw. welche Informationen ihr benötigt, um aktiv zu werden. Grenzt das Thema und den Umfang eurer Recherche ein und berücksichtigt dabei eure zeitlichen Kapazitäten und eure Fähigkeiten und Ressourcen. Ansonsten lauft ihr Gefahr, euch zu übernehmen oder das eigentliche Ziel aus den Augen zu verlieren. Denn unnötig und reine Zeitverschwendung ist zum Beispiel das allzu akribische Sammeln jedweder Informationen über die örtlichen Neonazis, ohne dass diese einen praktischen Wert hätten: Schuhgrößen, Lieblings-Zigarettenmarken, sexuelle Vorlieben oder die Kenntnis der biographischen Entwicklung seit der Kindheit, bieten zwar vielleicht amüsante Enthüllungen, sind aber für ein Outing wenig von Bedeutung, außer dem Gegner zu zeigen, dass “man es voll drauf hat”. Antifaschistische Recherche-Arbeit sollte also nach Maßgabe ihres praktischem Nutzen betrieben werden und sich ausschließlich an dem orientieren, was – gemessen an euren jeweiligen Zielsetzungen – an Informationen benötigt wird und angemessen erscheint.

Konkrete Tipps und Tricks, wie sich Recherche gegen Rechts bewerkstelligen lässt, was ihr dafür benötigt und wo ihr ansetzen könnt, erfahrt ihr, wenn ihr uns zu diesem Thema als Referenten einladet.