Es gibt viele gute Gründe, nicht nur ab und zu auf eine Antifa-Demo zu gehen, sondern sich auch mit anderen Leuten in politischen Gruppen zu organisieren. Nur so ist man in der Lage, auf rechte Aktivitäten zu reagieren oder auch mal selbst eine Demo oder Diskussionsveranstaltung zu organisieren. Außerdem bietet die gemeinsame Arbeit in der Gruppe die Möglichkeit, sich auszutauschen, voneinander zu lernen und so zu neuen Fähigkeiten und Erkenntnissen zu gelangen. 

Doch häufig ergeben sich gerade in der Anfangsphase jede Menge Schwierigkeiten. Oft stehen neu gegründete Gruppen vor dem Problem, dass sie eigentlich gar nicht wissen, zu welchem Zweck sie sich bestenfalls einmal pro Woche treffen. Auf den Gruppentreffen wird dann ein bisschen über dies und das geredet, ohne dass dabei etwas Greifbares herumkommt. Zusätzlich belastet wird die Atmosphäre dann möglicherweise auch noch durch politische oder zwischenmenschliche Konflikte innerhalb der Gruppe oder durch Druck von außen, etwa durch Nazis, staatliche Repressionsorgane oder verständnislose Eltern. Meist führt diese Entwicklung schon in den ersten Monaten nach der Gründung zu einem massiven Mitgliederschwund und zu großer Frustration bei den Übriggebliebenen.

Ein solcher Verlauf ist erfahrungsgemäß normal und lässt sich leider auch nicht vollständig verhindern. Dennoch gibt es Ansätze, durch die einige der typischen Problemstellungen zumindest teilweise aufgefangen werden können. Wichtig ist es vor allem, sich frühzeitig über die Ziele und Möglichkeiten der Gruppe zu verständigen. Am besten sollte dafür ein eigenständiges Gruppentreffen abgehalten werden, bei dem alle Mitglieder anwesend sind und genügend Zeit mitbringen. Auf diesem Treffen sollte möglichst konkret geklärt werden, was sich die Mitglieder von der Arbeit in der Gruppe erwarten und in welchem Rahmen sie sich selbst einbringen können und wollen. Für den Anfang empfiehlt es sich, erst einmal kleinere Projekte in Angriff zu nehmen, die schnelle und greifbare Erfolgserlebnisse erwarten lassen. Das kann zum Beispiel das gemeinsame Verfassen eines Redebeitrags für die nächste Demo sein, das Erarbeiten einer Bestandsaufnahme über rechte Strukturen in eurer Stadt oder das Organisieren einer Antifa-Kneipe im nächstgelegenen AZ. Wenig hilfreich ist es, sich gleich zu Beginn mit aufwendigen Großprojekten wie einer eigenen Demo zu übernehmen.

Alle Mitglieder der Gruppe sollten die Möglichkeit haben sich regelmäßig aktiv an der gemeinsamen Arbeit zu beteiligen. Dabei müssen natürlich auch die unterschiedlichen Interessenlagen der einzelnen Leute berücksichtigt werden. So mag es Menschen geben, die keine Lust haben, regelmäßig an Demos teilzunehmen, dafür aber gute Pressemitteilungen schreiben. Achtet also darauf, dass durch die Praxis eurer Gruppe nicht unnötigerweise einzelne Leute von Vornherein ausgeschlossen werden. Um Nazis und Repressionsbehörden möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten, ist es sinnvoll, sich frühzeitig mit dem Thema Strukturenschutz auseinanderzusetzen. Auch dazu bieten wir einen Vortrag an!

Ein Thema, das immer wieder zur Spaltung oder Auflösung von Gruppen führt, sind politische oder zwischenmenschliche Konflikte. Sicherlich gibt es Grenzen des Erträglichen und manchmal ist es tatsächlich besser, getrennte Wege zu gehen. Dennoch solltet Ihr euch vor Augen führen, dass eine Antifa-Gruppe weder eine Sekte noch ein Freundeskreis ist. Das heißt, dass es für eine erfolgreiche politische Zusammenarbeit nicht unbedingt nötig ist, dass alle Gruppenmitglieder zu allen Streitfragen die gleiche Meinung haben und sich auch noch untereinander mögen. Dennoch ist ein solidarischer und respektvoller Umgang innerhalb der Gruppe natürlich unabdingbar. Insbesondere muss es für alle Beteiligten möglich sein, Ideen und Vorschläge aber auch Probleme und Ängste offen anzusprechen, sofern sie mit der Arbeit der Gruppe zu tun haben.

Politische Arbeit kann langfristig nur erfolgreich sein, wenn sie eine gewisse Kontinuität und Verbindlichkeit aufweist. Um das zu gewährleisten, sind regelmäßige Gruppentreffen ein absolutes Muss. Hier werden Infos und Berichte ausgetauscht, aktuelle Themen diskutiert und gemeinsame Aktionen geplant. Kurz gesagt: Auf dem Gruppentreffen wird alles besprochen, was die Gruppe betrifft. Deshalb ist es wichtig, dass regelmäßig alle Mitglieder daran teilnehmen. Im Zweifelsfall ist es besser, sich nur alle zwei Wochen zu treffen, dafür aber möglichst regelmäßig und vollständig. Neben dem Gruppentreffen empfehlen sich verschlüsselte Foren und Mailverteiler für die interne Kommunikation. Facebook und Co sind hingegen völlig ungeeignet, da sowohl der Anbieter (also die Betreiber von Facebook) als auch staatliche Behörden hier relativ problemlos mitlesen können.

Als Antifa-Gruppe könnt Ihr in verschiedenen Bereichen aktiv werden und die unterschiedlichsten Projekte in Angriff nehmen: Gemeinsame Teilnahme an Demos und Aktionen, Vernetzung mit anderen Gruppen, Recherche- und Öffentlichkeitsarbeit oder Auseinandersetzung mit politischer Theorie, um nur einige Beispiele zu nennen. Zu vielen dieser Punkte erfahrt Ihr mehr, wenn Ihr euch unseren Vortrag erfolgreich politisch organisieren anhört. Zu einigen der genannten Themen bieten wir zusätzlich auch noch eigenständige Vorträge an, etwa zu Öffentlichkeitsarbeit oder zu antifaschistischer Recherche.