Wer sich in antifaschistischen Gruppen organisiert, regelmäßig Demos besucht und aktiv gegen die rechte Szene vorgeht, macht sich mit diesem Engagement nicht überall beliebt. Nazis und staatliche Repressionsorgane versuchen, Informationen über linke Strukturen zu sammeln und Antifa-Gruppen einzuschüchtern oder an ihren Aktivitäten zu hindern. Aber gerade für jüngere Antifaschisten können auch rechte Mitschüler, Lehrer oder Eltern zu einem Problem werden. Wenn ihr von euren Lehrern auf eure politischen Aktivitäten angesprochen werdet, ist das in erster Linie nervig. Wirklich gefährlich wird es aber, wenn es beispielsweise irgendwelchen Nazis gelingt, herauszufinden, wer in eurer Gruppe aktiv ist, oder wo ihr euer Gruppentreffen abhaltet. Aus diesen Gründen ist es sehr wichtig, dass antifaschistische Gruppen ihre Strukturen schützen und bestimmte Sicherheitsstandards einhalten. 

Grundsätzlich geht es – abgesehen von Leuten, mit denen ihr eng und vertrauensvoll zusammenarbeitet – niemanden etwas an, wer Mitglied in eurer Antifa-Gruppe ist. Dementsprechend solltet ihr auch gegenüber Eltern, Mitschülern, Nachbarn oder Arbeitskollegen nicht herum posaunen, dass ihr nun in der örtlichen Antifa aktiv seid. Auf keinen Fall solltet ihr Mitgliederlisten oder ähnliches führen.

Es ist sinnvoll, sich schon zu Beginn darüber Gedanken zu machen, wie offen oder geschlossen eure Gruppe sein soll. Die meisten Antifa-Gruppen verfügen über einen geschlossenen Kreis von Mitgliedern. Wenn neue Leute zur Gruppe dazu stoßen wollen, solltet ihr diese erst einmal gut kennenlernen. An den Gruppentreffen nehmen in aller Regel nur Gruppenmitglieder teil. Was auf diesen Treffen besprochen wird, geht niemanden außerhalb der Gruppe etwas an.

Häufig wird gerade auf Demonstrationen sehr fahrlässig mit dem Thema Strukturenschutz umgegangen. Diesen Umstand machen sich staatliche Repressionsbehörden und neonazistische Anti-Antifa-Aktivisten zunutze, indem sie unerkannt auf linken Demonstrationen mitlaufen und Informationen über die Teilnehmer sammeln. Demonstrationen sind daher der denkbar ungeeignetste Ort, um neue Kontakte zu knüpfen oder sich über geplante Aktionen auszutauschen. Zudem ist es nicht ratsam, sich auf Demos mit euren richtigen Namen anzusprechen. Stattdessen solltet ihr, wenn ihr gemeinsam zu so einer Aktion fahrt, einen Bezugsgruppennamen vereinbaren (Zum Beispiel „Butterblume“), damit ihr euch in Stresssituationen schnell wiederfindet. Problematisch ist es auch, Transparente mit eurem Gruppennamen mitzuführen. Denn so können die Personen, die das Transparent tragen, leicht als aktive Mitglieder der entsprechenden Gruppe ausgemacht werden. Um euch vor Anti-Antifa-Fotografen zu schützen, solltet ihr den gesetzlichen Spielraum nutzen, um euer Aussehen zu verändern, etwa durch Mützen und Sonnenbrillen. Was von Polizei und Staatsanwaltschaft als Vermummung ausgelegt wird, ist von Region zu Region sehr verschieden.

Wenn ihr auf Demonstrationen oder in irgendeinem anderen Zusammenhang festgenommen werdet, lautet die wichtigste Regel: Aussageverweigerung. Nähere Informationen hierzu bekommt ihr in unseren Texten und Vorträgen zum Thema Repression. Auch wenn ihr von Mitarbeitern des Verfassungsschutzes aufgesucht werdet, dürft ihr euch auf keinen Fall auf ein Gespräch einlassen.

Auch am Computer und im Internet ist es wichtig, dass ihr auf den Schutz eurer Strukturen achtet. Gerade in sozialen Netzwerken wie Facebook gehen Antifas oft nachlässig mit diesem Thema um. Am besten solltet ihr daher solche Plattformen gar nicht für eure politische Arbeit nutzen. Wenn ihr das doch tut, achtet wenigstens darauf, dass ihr private Profile klar von politischen Profilen trennt. Grundsätzlich solltet ihr dafür sorgen, dass man im Internet keine Bilder von euch findet. Die persönlichen Angaben, die ihr beim Anlegen eines Facebook-Profils macht, werden nicht überprüft. Deshalb könnt ihr problemlos auch einen erfundenen Namen, ein falsches Geburtsdatum etc. eintragen. (Das gilt natürlich auch für andere soziale Netzwerke oder das Anlegen eines Blogs oder einer E-Mailadresse.) Für die Kommunikation innerhalb eurer Gruppe sind soziale Netzwerke völlig ungeeignet, weil staatlichen Behörden dort problemlos mitlesen können. Da auch Telefone hin und wieder abgehört werden, solltet ihr am besten verschlüsselte E-Mails für eure Kommunikation nutzen. Unter der Rubrik Downloads könnt ihr das dafür gut geeignete Programm Thunderbird Portable + GPG/Enigmail samt einer ausführlichen bebilderten Anleitung herunterladen.

Selbstverständlich kann dieser Text nur einen groben Überblick über die verschiedenen Aspekte des Strukturenschutzes bieten. Wenn ihr Nachfragen habt oder euch intensiver mit diesem Thema auseinandersetzen wollt, schreibt uns eine Mail oder ladet uns für unseren Vortrag zum Thema Strukturenschutz ein.