Fast jeder, der schon mal auf einer Demo war, hat erlebt, wie es plötzlich eskaliert: Polizisten versuchen, das Fronttransparent herunter zu zerren und den Leuten ins Gesicht zu filmen; Demonstranten versuchen, eine Absperrung zu durchbrechen; Polizisten packen sich einen vermummten Demoteilnehmer am Rande der Veranstaltung. Es folgen Schubsereien, Schlagstockeinsätze, Pfefferspray, wildes Gerenne, Einkesselungen und Verhaftungen/Ingewahrsamnahmen. 

Wenn ihr eine Demo besucht muss euch klar sein, dass es einen hundertprozentigen Schutz vor solchen Situationen nicht geben kann. Dafür ist das Verhalten der Polizei zu unberechenbar und dafür stehen auch oft die Ideen der Demonstranten in zu krassem Gegensatz zu den Vorstellungen der Polizei.

Trotzdem oder gerade deswegen ist es hochgradig sinnvoll, sich zu überlegen, wie ihr euch in solchen Situationen verhalten wollt. Nur dann kann es euch gelingen, Ruhe zu bewahren und mit maximalem Erfolg und minimalem Schaden aus der Sache rauszukommen. Tipps zum Verhalten auf Demos, bei Übergriffen, Festnahmen und Repressionen im Nachhinein gibt es in übersichtlicher und kompakter Form in der Broschüre „Was tun wenn`s brennt“.

Einige wichtige Tipps haben wir euch im Folgenden zusammengestellt.

  • Allein oder zusammen? In einer Gruppe zu fahren schützt vor Übergriffen und macht euch beim gemeinsamen Agieren sicherer. Wenn sich alle für die Gruppe verantwortlich fühlen, passiert es auch nicht, dass einer von euch verhaftet wird, ohne dass jemand sein Fehlen auch nur bemerkt.
  • Auffallen? Neongelbe Klamotten, Startrooper-Uniformen, außerhalb der Demo laufen und dabei lauthals zu Angriffen auf die nebenstehenden Polizisten aufrufen – entweder es ist ein wirklich besonderer Anlass oder einfach albern. Und in jedem Fall nähert ihr euch damit der Arrestzelle.
  • Waffen, Drogen, Adressbücher? Viele fühlen sich auf Hin- und Rückwegen unsicher, wenn sie ihr Pfeffergas nicht dabei haben. Denkt aber dran, es am Zielbahnhof im Schließfach zu lassen. Erstens seid ihr auf einer Demo eh meist zu dicht von Leuten umgeben, als dass der Einsatz von Reizgas gefahrlos möglich wäre. Zweitens eskaliert es manchmal unglaublich schnell und ihr werdet von der Polizei eingepackt, ohne Gelegenheit zu haben, das Gas loszuwerden. Denn das Versammlungsgesetz bezieht sich auch auf die An- und Abreise. Waffen sind also auch hier schon untersagt. Adressbücher und alles, was Infos über Freunde offenbart, sind logischerweise bei einer Verhaftung ein gefundenes Fressen für die Polizei. Es ist eure Verantwortung, Freunde davor zu schützen.
  • Action? Ruhe bewahren, solidarisch und vernünftig handeln: Das heißt ja nicht, dass ihr dem nebenstehenden Nazifotografen nicht zeigen dürft, wo der Hammer hängt. Aber macht das abgesprochen, in einer Gruppe, lasst euch nicht mitnehmen und taucht danach wieder im Schutz der Demo unter. Nehmt Rücksicht: Wenn ihr z.B. bei einer Demo gegen Abschiebungen Flüchtlinge ohne Papiere dabei habt, wäre es nicht schlau, Straftaten zu begehen.
  • Bis zum Morgen durch getrunken? Be- und Angetrunkene oder durch andere Rauschmittel beeinflusste Personen haben auf Demos nichts zu suchen, weil sie mit mangelnder Fähigkeit, Situationen schnell und gut einzuschätzen, sich und andere gefährden.
  • Dresscode? Der Dresscode ist eine vieldiskutierte Frage. Dabei gilt eigentlich nur, das anzuziehen, was ihr mögt, dabei wenig aufzufallen und sich Möglichkeiten offenzuhalten, das Gesicht vor Fotos und Filmen zu schützen (z.B. durch Sonnenbrille, Tuch/Schal und Mütze). Hängt aber natürlich auch von der Art der Aktion ab. Bei einer Demo im Flughafengebäude könnte euch ein Hawaiihemd von Nutzen sein. Einen Rucksack mit etwas zu essen und vor allem einer Flasche Wasser dabei zu haben, kann nie schaden.
  • Verantwortung übernehmen! Wenn ihr in einer Gruppe unterwegs seid, gilt immer: Was einer sich nicht vorstellen kann, machen die anderen auch nicht. Gegenseitig auf sich aufzupassen, die eigenen Bedürfnisse etwas zurück zu nehmen und auf Jüngere bzw. Unerfahrenere zu achten, ist der beste Schutz für alle.
  • Übergriffe durch die Polizei? Ruhig bleiben, nicht panisch wegrennen, sondern Ketten bilden um euch vor Zugriffen der Polizei zu schützen. Im Zweifelsfall langsam und geschlossen zurückziehen. Verletzte schützen, Sanitäter aufmerksam machen und bei der Versorgung oder beim Abtransport helfen. Und bei Fest- oder Ingewahrsamnahmen solltet ihr die von der Polizei mitgenommenen Personen mit Namen, Adresse dem EA melden und darüber hinaus mitteilen, was ihnen vorgeworfen wird (nicht das, was sie tatsächlich gemacht haben!).
  • Verhaftungen? Wenn Du verhaftet oder in Gewahrsam genommen wirst: Versuche, auch hier ruhig zu bleiben. Mach auf Dich aufmerksam, rufe Umstehenden Deinen Namen zu, damit sie dem EA Bescheid geben können. Sag auf der Wache kein Wort mehr als nötig, unterschreibe nichts und nutze den Dir zustehenden Anruf, um Eltern/Freunden oder dem EA Bescheid zu geben. Mehr Tipps zum Verhalten bei Verhaftungen findest Du im Text „FAQ Strafrecht“.