Für eine Vortragsveranstaltung gelten natürlich andere Bedingungen als für eine Demo. Trotzdem ist auch hier enorm wichtig, dass man einen guten Plan und eine gute Vorbereitung hat, um keine frustrierend schlecht besuchte Veranstaltung zu haben, bei der die Technik nicht funktioniert und die Leute auf dem Boden sitzen müssen. Gut organisierte Veranstaltungen sind nicht nur die beste Möglichkeit für Theorie-Output und damit eventuelle Neuzuwächse für eure Gruppe, sondern auch eine super Gelegenheit, euer eigenes inhaltliches Profil deutlich zu machen – legt ihr den Schwerpunkt auf antirassistische Themen, sind die Vorträge für „Einsteiger“ geeignet, bietet ihr von „alternative Kunstformen“ bis „Infos zum Naziaufmarsch in der Nachbarstadt“ ein breites Spektrum an Themen an? Die Checkliste im Folgenden soll euch helfen, eine Veranstaltung vorzubereiten und dabei möglichst viele entscheidende Probleme im Vorhinein zu lösen.


Planung:
– Thema überlegen! Das ist natürlich der entscheidende Punkt: Welches Thema wäre es wert, dafür eine Veranstaltung zu organisieren? Und wie kann man das so ansprechend gestalten, dass es die Leute auch interessiert? Grundsätzlich gilt dafür, dass ihr euch vorher eine Zielgruppe überlegen solltet und euch an denen dann auch orientiert. Nichts ist gemeiner, als eine Veranstaltung für „Anfänger“ zu bewerben und dann hochgestochenes marxistisch zu sprechen. Allgemeinere Veranstaltungen zu brisanten Themen wecken mehr Interesse, manchmal ist es aber auch sinnvoll, unbekanntere Themen „vom Dachboden“ zu holen, auch auf die Gefahr hin, dass nur wenige Leute kommen.
– Referenten organisieren. Wenn ihr jemanden in der eigenen Gruppe habt, der sich mit dem gewünschten Thema gut auskennt (oder ihr euch als Gruppe vorher einarbeitet), seid ihr auf der sicheren Seite. Vielleicht habt ihr auch ein Angebot von jemandem bekommen, der eine Mobilisierungsveranstaltung für eine Demo machen will, oder kennt jemanden, der Vorträge zu bestimmten Themen hält. Falls nicht, wendet euch an andere Gruppen in eurer Stadt oder direkt an uns, vielleicht können wir weiterhelfen.
Egal, welcher Referent – wichtig ist, dass ihr mit ihm im Vorhinein abklärt, was ihr euch vorstellt: Wie lang soll der Vortrag sein (länger als eine Stunde hält kein Zuhörer durch), sollen Medien dazu eingesetzt werden, was ist die Zielgruppe, wie wünscht ihr euch die Ausrichtung (Anfänger oder Fortgeschrittene?)…
– Raum organisieren: Fragt in euch bekannten linken Zentren, Jugendhäusern, Kircheinrichtungen, Schulen, Falkenheimen, Tagungsorten, Büroräumen von linken Gruppen usw. an, ob euch ein Raum zu Verfügung gestellt werden kann. Wichtig ist natürlich, dass der Raum groß genug ist, trotzdem ist ein kleiner, aber gefüllter Raum im Zweifelsfall besser als die Schulaula, in der dann verlorene zehn Leute sitzen.
– Technik organisieren. Wenn ihr mit wirklich vielen Leuten rechnet, solltet ihr eine Mikrofonanlage haben. Falls nicht, wirkt ein Mikro oft eher lächerlich. Die meisten Referenten brauchen allerdings einen Beamer (dafür dann auch an den Laptop, Akku, Verbindungskabel denken!). In allen Technikfragen ist entscheidend, dass ihr jemanden dabei habt, der sich damit auskennt!
– Referentenbegleitung: Wer ist dafür zuständig, d.h., wer holt den Referenten ab und bringt ihn später wieder zum Bahnhof? Wer sitzt in der Veranstaltung vorn, begrüßt die Leute, stellt euch, das Thema und den Referenten vor und moderiert eine anschließende Diskussion?

– Am Tag der Veranstaltung: Jetzt solltet ihr den Schlüssel besorgt haben und euch mit ausreichend Zeitpuffer vor Veranstaltungsbeginn treffen, um die letzten Punkte zu besprechen:
Sind genügend Stühle da? Ein Tisch, Stuhl, Technik, Flasche Wasser für den Referenten? Der Referent selbst? Habt ihr Flyer ausgelegt mit zusätzlichen Infos oder Werbematerial?

Probleme:
Probleme bei Veranstaltungen sind eigentlich immer dieselben – die Technik funktioniert nicht, irgendwer aus dem Publikum nervt mit ständigen Zwischenfragen oder zwanzigminütigen Diskussionsbeiträgen, irgendwelche Idioten und/oder Nazis stören die Veranstaltung. Für das erste Problem gibt es nur die Lösung, wirklich im Vorhinein einen Verantwortlichen zu bestimmen, der sich mit der Technik vertraut gemacht hat.
Für störende Teilnehmer muss man sich vorher eine gute Politik überlegen. Oft reicht es schon aus, wenn der Moderator energisch darauf hinweist, dass Zwischenfragen gesammelt und erst am Ende gestellt werden sollen. Manchmal ist es nötig, auf eine kürzere Redezeit hinzuweisen oder deutlich zu machen, wenn der Redner vom Thema abkommt. Im Zweifelsfall können alle den Moderator unterstützen, in dem sie aus dem Publikum heraus freundlich, aber bestimmt klar machen, dass es gerade nervt.
Über Naziprobleme habt ihr euch im besten Fall vorher Gedanken gemacht – dabei kommt es ja meist sehr auf die Art der Veranstaltung an. Wenn ihr Vorträge zu nazirelevanten Themen haltet, ist es meist gut, jemanden an der Tür oder draußen zu postieren, der rechtzeitig Bescheid sagt, wenn welche anrücken. Dann solltet ihr die Tür verschließen und euch spätestens jetzt überlegen, ob ihr die Polizei rufen oder auf eine Schubserei einlassen wollt… Falls es zu Auseinandersetzungen kommt, denkt dran, in geschlossenen Räumen kein Pfeffergas einzusetzen.